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Japanischlernen

Ist Japanisch schwer?

In diesem Artikel möchte ich der Frage nachgehen, ob es schwer ist, Japanisch zu lernen. Je nachdem, wen man fragt, bekommt man dazu oft verschiedene Meinungen, die teilweise sehr unterschiedlich ausfallen. Sicherlich gibt es einige Dinge, die im Japanischen einfacher sind als in anderen Sprachen, wenn man sich zum Beispiel nur die Grammatik anschaut. Aber ein viel wichtigerer Faktor ist auch die sprachliche Entfernung (Language Proximity) von einer Fremdsprache zur eigenen Muttersprache. Ich diesem Beitrag werde ich näher auf diese Themen eingehen und auch meine Meinung dazu preisgeben. Noch ein kleiner Exclaimer, zum großen Teil handelt es sich im folgenden Artikel natürlich um meine Meinung, da es auch immer subjektiv ist ob man eine Sprache schwierig findet. Wo möglich versuche ich natürlich meine Argumente mit objektiven Fakten zu untermauern. Dieser Artikel richtet sich insbesondere auch an Japanischlernende die ein Plateau erreicht haben und merken, dass Japanisch vielleicht doch nicht so einfach ist wie anfangs vermutet. Ich möchte auch Hilfestellungen geben wie das Plateau überwunden werden kann.

Warum Japanisch einfach wirkt

Einfache Grammatik?

Ich finde, dass man gerade von Leuten, die vor Kurzem mit dem Japanischstudium begonnen haben hört, dass Japanisch eigentlich einfach wäre. Dafür gibt es objektiv gesehen auch einige gute Gründe. Die offensichtlichsten habe ich im Folgenden einmal aufgeführt:

  • So gibt es im japanischen keinen Genus also kein grammatikalisches Geschlecht (wie z. B. Arzt/Ärztin oder „die“ Sonne),
  • somit gibt es auch keine Artikel (der, die das),
  • es gibt kein Numerus (z. B. Apfel/Äpfel),
  • es gibt, je nach Definition, nur zwei Zeitformen (Vergangenheit und Gegenwart/Zukunft),
  • man kann mit wenigen Wörtern schon einiges sagen und verstehen,
  • die Aussprache ist besonders für Deutsche vergleichsweise einfach,
  • es gibt eigentlich wenig grammatikalische Ausnahmen,
  • die Interpunktion (Zeichensetzung) ist deutlich einfacher als im Deutschen,
  • das Verb wird nicht dem Subjekt angepasst.

Wenn man anfängt Japanisch zu lernen ist das anfangs sehr motivierend, man lernt erstmal die Hiragana und kann plötzlich in einem ganz anderen Alphabet lesen. Schon mit wenigen Vokabeln versteht man viel in Anime, da beispielsweise einzelne Adjektive schon einen ganzen Satz ersetzen und Wörter wie Kowai, Kawaii, Itadakimasu, etc. regelmäßig vorkommen. Auch die Grammatik ist aufgrund der oben gennanten Punkte anfangs vergleichsweise einfach. Nach einiger Zeit stoßen viele aber auf ein Plateau, bei dem es dann nicht mehr so schnell voran geht. Das ist ganz normal und wahrscheinlich gibt es eigentlich sogar mehrere Plateau, oft erinnert man sich nach überwinden das Plateau nur nicht mehr daran.

Plateaus demotivieren

Aufgrund der oben aufgeführten Punkte ist Japanisch anfangs ziemlich motivierend, wahrscheinlich sogar motivierender als andere Sprachen z.B. Spanisch. Denn dort gibt es ja all die oben aufgeführten Dinge. Dennoch stellt sich die Frage, wieso so wenig Menschen wirklich fließend Japanisch sprechen können? Ich habe mich wirklich eine ganze Zeit lang in der Japanischlern-Community bewegt und die meisten wären wahrscheinlich erstaunt, wie wenig Leute wirklich bis zum JLPT N1 (B2-C1) kommen bzw. fließend Japanisch sprechen können. Wenn man von denen dann noch die Halbjapaner und Leute abzieht, die eine längere Zeit aufgrund eines Auslandsjahres oder Work and Travel o.Ä. in Japan waren, bleiben extrem wenig übrig. Das liegt meiner Meinung nach häufig daran, dass sich viele von einem längeren Plateau demotivieren lassen. Das hängt auch damit zusammen, dass viele wahrscheinlich aufgrund des leichten Einstiegs eine falsche Erwartung haben, auch befeuert, durch etliche Werbeversprechen, dass jeder in wenigen Monaten fließend Japanischsprechen lernen könne.

Wer behauptet in der Regel Japanisch sei einfach? Einerseits gibt es natürlich viele Anfänger, die sagen, Japanisch sei einfach, aber wenn man googelt, fällt schnell auf, dass besonders Anbieter von Japanisch-Kursen bzw. Japanisch-Onlinekursen oft sagen Japanisch sei einfach. Klar, wer fängt auch einen Kurs an, wenn direkt gesagt wird, dass man viele Jahre lernen muss. Oft steckt also auch einfach ein wirtschaftliches Interesse darin, die Sprache einfacher zu reden, als sie möglicherweise ist. Bezeichnend ist übrigens auch, dass die meisten Kurse bzw. Onlinekurse dann keine Kurse anbieten, die über das JLPT N3 (A2-B1) Niveau hinausgehen. So einfach scheint es ja nicht zu sein, wenn bei Kursen für N3+ die Nachfrage so gering ist.

Ich glaube auch, dass es fast niemanden mit N1 gibt, der behauptet, Japanisch sei einfach, aber viele Leute mit JLPT N3 (A2-B1) oder niedriger. Meine Vermutung ist, dass dieser Effekt häufig auf den Dunning-Kruger-Effekt zurückzuführen ist, den ich im nächsten Abschnitt erläutern werde.

Der Dunning-Kruger-Effekt

Ist Japanisch schwer? Der Dunning-Kruger-Effekt
Die Phasen des Dunning-Kruger-Effektes

Ein weiterer Grund warum viele Anfänger denken, Japanisch sei einfach, ist möglicherweise der Dunning-Kruger-Effekt.

Der Dunning-Kruger-Effekt geht auf die beiden Sozialpsychologen David Dunning und Justin Kruger zurück. Den vollständigen Artikel, der im Journal of Personality and Social Psychology veröffentlicht wurde, findet ihr unten unter den hilfreichen Links. Im Wesentlichen geht es beim Dunning-Kruger-Effekt darum, dass Menschen, die wenig über ein Thema wissen, ein größeres Vertrauen in ihr Wissen über dieses Thema haben als Menschen, die mehr über das Thema wissen. Gerade im Japanischen, wo der Einstieg aufgrund der oben genannten Punkte in der Tat relativ einfach ist, wird von vielen überschätzt, wie viel sie wirklich schon können. Wenn man dann mehr über ein Thema lernt, erkennt man auch immer mehr, was man noch nicht kann und wie viel es über das Thema wirklich zu wissen gibt. Das kann natürlich auch schnell demotivierend sein.

Der Zusammenhang zwischen Wissen und Selbsteinschätzung

Im obigen Graphen wird der Dunning-Kruger-Effekt grafisch dargestellt. Anfangs steigt das Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten trotz eines noch geringen Wissens über ein Thema stark an. Wenn man dann nach einiger Zeit realisiert, wie komplex das Thema ist, einfach weil man selbst mehr über das Thema gelernt hat, fällt man ins Tal der Verzweiflung („Valley of despair“). Danach steigt dann das Vertrauen in die eigenen Fähigkeit langsam mit dem Wissen über ein Thema an. Dieses Tal der Verzweiflung könnte man auch als gefühltes Plateau definieren.

Natürlich mache ich es mir vielleicht ein bisschen einfach, wenn ich sage, jeder, der sagt, Japanisch sei einfach, weiß einfach noch nicht genug darüber, aber ich selbst habe am Anfang gedacht Japanisch sei einfach. Ich hatte vermutlich mit dem JLPT N5 (A1) mehr Vertrauen in meine Japanischfähigkeiten als heute mit dem JLPT N1 (B2-C1).

Geradezu legendär in der Japanisch-Szene ist auch der Thomas Golnik übersetzte Artikel „So so, du willst also Japanisch lernen…„. Auch wenn dieser zugegebenermaßen mit Absicht etwas überspitzt ist.

Japanisch ist die wahrscheinlich schwierigste Sprache überhaupt

Das Foreign Service Institute der Vereinigten Staaten von Amerika hat über 70 Jahre Erfahrung mit Fremdsprachen und ist für Ausbildung der US-Diplomaten zuständig. Sie haben auf Basis ihrer langjährigen Erfahrung ermittelt, wie lange ein englischer Muttersprachler im Schnitt benötigt, um eine Fremdsprache fließend zu sprechen. Dabei haben sie alle Fremdsprachen in 4 Kategorien eingeteilt.

  • I: 24-30 Wochen (600-750 Unterrichtsstunden) [z.B. Französisch und Spanisch]
  • II: Ca. 36 Wochen (900 Unterrichtsstunden) [z.B. Deutsch]
  • III: Ca. 44 Wochen (1100 Unterrichtsstunden) [z.B. Finnisch und Thai]
  • IV: 88 Wochen (2200 Unterrichtsstunden) [z.B. Japanisch und Chinesisch]

In früheren Versionen war Japanisch außerdem mit einem Stern markiert mit dem Vermerk, dass Japanisch in Kategorie 4 („“Super-hard languages” – Languages which are exceptionally difficult for native English speakers.„) besonders schwierig ist. Das heißt, für Japanisch benötigt ein englischer Muttersprachler im Schnitt 3-mal länger als für z. B. Spanisch.

Und hier kommen wir auch langsam zu dem Punkt, warum Japanisch so schwierig ist bzw. wodurch dann auch das Plateau auftritt. Wichtig ist hier der Hinweis „englischer Muttersprachler“. Denn wie schwer eine Sprache ist, hängt maßgeblich von der eigenen Muttersprache ab und wie weit entfernt die eigene Muttersprache linguistisch, aber auch historisch und kulturell von der Fremdsprache ist. Darauf werde ich im nächsten Abschnitt näher eingehen.

Warum Japanisch schwierig ist

Sprachliche Entfernung (Language Proximity)

Was ist sprachliche Entferung (Language Proximity)

Die sprachliche Entfernung von Deutsch und Japanisch (Quelle: elingustics.net)

Auf elingustics könnt ihr selbst auch Sprachen vergleichen, um herauszufinden, wie nah Sprachen einander sind. Dabei wird die linguistische Nähe zwischen verschiedenen Wörtern der beiden Sprachen ermittelt, um dann in einem statistischen Verfahren mit annähernder Sicherheit zu sagen, ob die beiden Sprachen verwand sind und zu welchem Grad. Die sprachliche Entfernung (Language Proximity) beschreibt, wie weit die eigene Muttersprache von einer Fremdsprache entfernt ist und hat einen maßgeblichen Einfluss darauf, als wie schwierig das Erlernen einer Sprache wahrgenommen wird.

Der Einfluss der sprachlichen Entfernung auf das Japanischstudium

Die sprachliche Entfernung hat zahlreiche Gründe, die das Erlernen einer Sprache verkomplizieren.

Ein kleines Beispiel:

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Auch wenn ihr noch nie Spanisch gelernt habt könnt ihr die Bedeutung erahnen

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Ohne Japanischkentnisse wird kein deutscher Muttersprachler die Bedeutung des japanisches Satzes erahnen können.

Auch Japanisch hat mittlerweile natürlich zahlreiche Lehnwörter besonders aus dem Englischen, aber das ist nicht mal ansatzweise mit der Anzahl der ähnlichen Wörter zwischen Deutsch und anderen germanischen und romanischen Sprachen vergleichbar.
Aber die Schwierigkeit resultiert natürlich nicht nur aus dem Nicht-Vorhandensein von Lehnwörtern bzw. verwandten Wörtern, sondern auch aus dem vollständig anderen Aufbau der Grammatik. Ich selbst habe zum Beispiel mein Abitur in Spanisch geschrieben und konnte mit minimalem Lernaufwand nach 3 Jahren einen mehrseitigen Aufsatz auf Spanisch schreiben. Auf Japanisch ist das m. E. n. deutlich komplizierter.

Das Englisch-Problem der Japaner

Für Japaner ist Englisch schwer

Hast du dich schon mal gefragt, warum Japaner im Vergleich zu anderen Ländern so schlecht in Englisch sind? Klar, auch das Bildungssystem ist nicht ganz unschuldig daran, aber dadurch wird das Problem nicht vollständig erklärt. Denn die japanische Regierung versucht schon seit Jahren mit dem JET-Programm englische Muttersprachler ins Land zu holen, um den Unterricht weniger frontal zu gestalten. Aber auch in anderen Ländern ist der Unterricht nicht weniger frontal und dennoch ist die Englischfähigkeit in Japan besonders gering.

Das hat natürlich viele Gründe. Aber ein wichtiger Grund ist einfach, dass wir das Language Difficutly Ranking von oben für Japaner quasi umgekehrt betrachten können. Während für englische Muttersprachler Japanisch aufgrund der sprachlichen Entfernung (Language Proximity) besonders schwierig ist, ist Englisch für Japaner aus demselben Grund ebenfalls sehr schwierig, während für Deutsche Englisch vergleichsweise einfach ist. Daher finde ich es auch immer sehr arrogant, wenn beispielsweise Deutsche sich über das Englisch von Japanern lustig machen, obwohl es für Deutsche deutlich einfacher ist, Englisch zu lernen.

Der Eisberg Japanisch

Der Eisberg Japanisch

Dieser Abschnitt hängt ein bisschen mit dem Dunning-Kruger-Effekt von oben zusammen. Auf den ersten Blick wirkt Japanisch aufgrund der oben aufgezählten Punkte einfach. Auf dem zweiten Blick bzw. wenn man einige Zeit Japanisch gelernt hat, offenbaren sich aber einige Dinge am Japanischen, welche die Sprache sehr schwer machen. An dieser Stelle möchte ich einige aufzählen. Der Eisberg von oben ist natürlich ein bisschen übertrieben. Ich habe jetzt sehr schwierige Grammatikformen und Kanji genommen, weil das einfach besser aussieht 🙃.

Gleiche Aussprache aber anderes Wort

Eine Tatsache, die Japanisch schwierig macht, ist, dass es sehr viele Wörter gibt mit exakt der gleichen Aussprache, aber einer vollständig anderen Bedeutung. Deswegen schalte ich in der Regel bei Filmen und Serien den japanischen Untertitel an, da man die Bedeutung zumindest am Kanji erkennen kann. Natürlich kann man die Bedeutung in der Regel aus dem Kontext schließen, das kann teilweise aber leichter gesagt als getan sein.

Die folgende Tabelle zeigt einige der Bedeutungen von dem Wort Kōshō, ich habe dabei nur die aufgenommen, die ich für einigermaßen üblich halte, es gibt noch einige mehr.

交渉こうしょうVerhandlung
高尚こうしょうVornehmheit
考証こうしょうQuellenforschung
公称こうしょうöffentliche Bekanntmachung
口承こうしょうmündliche Überlieferung
校章こうしょうSchulabzeichen
工商こうしょうIndustrie und Handel
公証こうしょうamtliche Beglaubigung
工匠こうしょうHandwerker
巧匠こうしょうbegabter Zimmermann
好尚こうしょうVorliebe
50 Shades of Kōshō

Sehr ähnliche Aussprache aber anderes Wort

Dann gibt es noch einige Wörter, die eigentlich eine andere Aussprache haben, bei denen es aber ebenfalls teilweise sehr schwer sein kann zu hören, welches Wort gemeint ist.

Kakkō, Kako, Kakō, Kakko:

格好かっこうAussehen
過去かこVergangenheit
加工かこうVerarbeitung
括弧かっこKlammer
Kakkō? Kako? Kakō? Kakko?

Keigo

Bis zum JLPT N1 (B2-C1) kommt man noch ganz gut ohne Keigo zurecht, und wenn man nicht in Japan arbeiten will, kommt man vermutlich auch ganz ohne Keigo aus und die Verwendung der „Desu/Masu„-Form (Teineigo) reicht aus. Wenn man aber in Japan arbeiten möchte und mindestens in irgendeiner Form Kundenkontakt hat bzw. haben kann, braucht man auf jeden Fall Keigo. Auch in sehr vielen Filmen kommt Keigo durchaus vor. Dabei gibt es zwei Formen, einerseits kann man seinen Gegenüber durch die Sprache über sich stellen (Sonkeigo) oder man kann sich selbst durch die Sprache unter den Gesprächspartner stellen (Kenjōgo).

Sprichwörter und Yojijukugo

Es gibt im Japanisches außerdem Hunderte von Sprichwörtern sogenannten Yojijukugo, das ist eine Kombination aus vier Kanji die dann eine neue Bedeutung ähnlich einem Sprichwort haben. Klar kann man auch ohne dass man diese kennt, fließend Japanisch sprechen, aber im Alltag trifft man dann doch immer wieder auf Selbige, und wenn man das Sprichwort nicht kennt, ist es in der Regel nicht möglich, auf dessen Bedeutung zu schließen.

Lehnwörter bzw. verwandte Wörter

Auf die Lehnwörter bzw. verwandeten Wörter bin ich ja weiter oben schon eingegangen. Beim Japanischen gibt es das Problem, dass es gerade in der Fachsprache häufig kaum Lehnwörter gibt bzw. zumindest japanische Wörter für eben selbiges Fachvokabular existieren und auch genutzt werden. Nehmen wir als Beispiel noch mal Spanisch.

Umlaufvermögen → Activo circulante → Zirkulierende Aktiva → Umlaufvermögen

Umlaufvermögen → 流動資産りゅうどうしさんRyūdōshisan)→ ?

Und das ist jetzt kein rausgepicktes Beispiel, es ist bei fast jedem Fachwort so, dass es in den germanischen und romanischen Sprachen möglich ist, ohne Vorkenntnisse auf die Bedeutung zu kommen, da die Aussprache fast immer einem Wort ähnelt, dass es auch im Deutschen oder Englischen gibt. Aber Ryūdōshisan hat kein Wort im Deutschen oder Englischen, welches ihm ähnelt. Das heißt, im Japanischen versteht man ein Wort, das man nicht gelernt hat einfach nicht, während man in anderen europäischen Sprachen auch ohne das Wort gelernt zu haben, die Bedeutung erahnen kann.

Die Schriftzeichen

Ein besonderer Punkt beim Japanisch lernen sind natürlich die Schriftzeichen. Wenn ich Spanisch oder Französisch lerne, muss ich kein neues Alphabet lernen. Wenn ich wirklich ernsthaft Japanisch lernen möchte, muss ich mindestens die je nach zählweise mindestens 46 Hiragana und 46 Katakana sowie die 2136 JōyōKanji lernen. Dabei reicht es meiner Meinung nach zwar zumindest aus bei den Kanji die Lesung zu lernen, da man diese somit dennoch auf dem Handy und Computer schreiben kann, aber selbst mit den 2136 Jōyō-Kanji gibt es im Alltag noch zahlreiche weitere Kanji die man lernen muss. Insgesamt muss man wahrscheinlich eher so um die 3000 Kanji lesen können. Dabei kann man natürlich auch mit weniger schon sehr viel lesen. Wenn du auch noch lernen willst, alle Kanji zu schreiben, kannst du auf deine Lernzeit vermutlich noch mal ein paar Jahre draufschlagen.

Wenn du dich für die japanische Schrift interessierst, ist vielleicht auch mein Artikel „Die Welt der japanischen Schriftzeichen“ interessant für dich.

Wie kann ich das Plateau überwinden?

Aber wie überwindet man jetzt das oben angesprochene Plateau? Da gibt es eigentlich einen relativ einfachen Trick. Einfach weiterlernen. Wie du oben im Graphen des Dunning-Kruger-Effekts siehst, folgt nach dem „Tal der Verzweiflung“ wieder ein Anstieg, auch wenn dieser nicht so schnell ist wie am Anfang, steigt nach einiger Zeit das Selbstvertrauen in die Japanischkentnisse sogar noch deutlich über den Anfangsstand hinaus. Wenn dir das weiterhilft, habe ich auf meinem Blog auch schon geschrieben, wie ich Japanisch gelernt habe. Aber das ist eigentlich nicht so wichtig. Wichtig ist eher, dass man dabei bleibt und regelmäßig lernt, gerade Vokabeln lernen ist extrem wichtig, da es wie gesagt quasi keine verwandten Wörter gibt. Ich kann dazu beispielsweise die kostenlose App Anki empfehlen. Aber wie genau ihr lernt, ist eigentlich weniger wichtig, als dass ihr lernt. Ihr werdet auch nicht eines Tages aufwachen und sagen „So, jetzt ist das Plateau überwunden“, das Japanischstudium ist einfach ein längerer Prozess, bei dem man immer mehr dazulernt. Besonders motivierend kann auch ein Japanaufenthalt sein. Gerade ein längerer Auslandsaufenthalt kann einem enorm weiterhelfen und motivieren.

Fazit: Ist Japanisch schwer?

Ich denke meine Meinung dazu, ob Japanisch schwer ist, kommt aus dem Artikel ziemlich deutlich hervor. Ja, Japanisch ist schwer. Dabei soll diese Feststellung Japanischlernende nicht demotivieren. Aber ich glaube, es ist deutlich demotivierender zu denken Japanisch sei einfach, um dann nach ein paar Jahren negativ überrascht zu werden, als von Anfang an zu wissen, dass Japanisch schwer ist und das Studium der Sprache einen entsprechenden Aufwand erfordert.

Ich selbst war in der Schule auch nie besonderes talentiert in Sprachen und eher begabt in den mathematischen Fächern und dennoch konnte ich in einer einigermaßen angemessenen Zeit Japanisch lernen. Ich glaube also schon, dass jeder Japanisch lernen kann. Und wenn du beim Japanischlernen durchziehst gehörst du auf jeden Fall zu einer Minderheit. Mir haben meine Japanischkentnisse in Vorstellungsgespräche übrigens immer Erstaunen gebracht.

Ich möchte jeden dazu anregen, der sich für Japan interessiert, Japanisch zu lernen. Die Sprache öffnet einem einen ganz neuen Einblick in die japanische Kultur. Auch wenn man nicht Muttersprachler-Niveau erreicht, was vermutlich ohnehin nicht möglich ist, macht Japanischlernen superviel Spaß!

Fragen bitte!

Wenn du noch Fragen über die japanische Sprache hast oder wenn du vielleicht eine ganz andere Meinung hast, würde ich mich sehr über einen Kommentar freuen. Auch wenn du einen Verbesserungsvorschlag oder eine Anmerkung hast, freue ich mich natürlich über einen Kommentar.

Falls dir mein Beitrag „Ist Japanisch schwer?“ gefallen hat, dann ist vielleicht auch mein Beitrag „Wie ich Japanisch gelernt habe“ interessant für dich.

5 Antworten auf „Ist Japanisch schwer?“

Der Beitrag ist brillant geschrieben und trifft genau ins Schwarze. Ich studiere nicht Japanisch, werde kein Auslandsjahr in Japan verbringen, trotzdem versuche ich die Sprache seit 5 Jahren zu erlernen. Der Dunning-Kruger-Effekt gefällt mir. Das Tal der Verzweiflung habe ich wohl durchschritten und es wäre schön wenn ich das Plateau der Nachhaltigkeit erreichen könnte. In jungen Jahren hatte ich keine Probleme Englisch, Französisch und Spanisch erlernt und kann sagen: Japanisch ist der Hammer, aber: steter Tropfen höhlt den Stein! Vielen Dank Tim für diesen präzisen Beitrag.

Hallo,
interessant beschrieben, ich versuche ja auch nebenher etwas japanisch zu lernen, um auf Japanreisen auch mal abseits der „normalen“ Pfade wandeln zu können, daher kann ich bei dem schwer nur beipflichten.
Natürlich lehrt man Hiragana und Katakana recht flott, und auch die ersten Vokabeln gehen recht schnell, aber dann fängts an schwierig zu werden.
Könnte man lesen und sprechen trennen, währe wohl das Sprechen einfacher, geht aber nicht wirklich, was aber bei mir vor allem demotivierend wirkt ist, dass man kaum Möglichkeiten zur Praxis findet, wenn man nicht gerade in Japan ist, das ich nun auch eher introvertiert bin, macht es nicht leichter 🙂

Hallo Mike,

freut mich, dass dir mein Beitrag gefallen hat. Ich fand es früher auch superschwierig, in der Praxis mit Japanisch in Kontakt zu kommen.
Aber ab einem bestimmten Level ist die Anwendung auf jeden Fall das, was einen am weitesten voranbringt. Eigentlich gibt es in fast jeder größeren Stadt einen Japanischstammtisch und an den meisten Unis gibt es auch Japaner/innen, die einen Tandempartner suchen.
In vielen größeren Städten gibt es auch Sprachcafés, bei denen man Japanisch sprechen kann. Auch im Internet gibt es einige Möglichkeiten, mit Japaner/innen in Kontakt zu kommen. Aber klar, als introvertierter Mensch ist das natürlich noch mal schwieriger.

Grüße
Tim

Hallo,
danke für die Tipps, wobei ich für Studenten wohl eher zu alt bin 🙂 nicht unbedingt im Geiste aber ich gehe eben doch mit großen Schritten Richtung 50.
Sprachcafe hört sich interessant an, könnte ich mal schaun obs in der nähe was gibt, zumindest Frankfurt sollte was gehen….nach Corona.

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