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Obon – das japanische Fest der Seelen

Das Obon ist eines der wichtigsten japanischen Feste. Aber was genau ist Obon, welches auch als Fest der Seelen bekannt ist, eigentlich? Wann wird das Fest gefeiert und wo hat es seinen Ursprung? All diesen Fragen möchte ich in diesem Beitrag auf den Grund gehen.

Wann findet das Obon statt?

Das Obon (お盆おぼん) ist ein traditionelles buddhistisches Fest und wird in den meisten Regionen jedes Jahr am 15. August gefeiert. Traditionell dauert das Fest 3 Tage (13. – 15. August). In Tokio wird Obon aber beispielsweise am 15. Juli gefeiert. Früher wurde das Fest am 15. Tag des siebten Monats nach dem japanischen Mondkalender gefeiert, was nach dem im Westen verwendeten gregorianischen Kalender in etwa dem Monat August entspricht. Die Festlichkeiten unterscheiden sich dabei teilweise von Region zu Region.

Obon ist in Japan übrigens kein gesetzlicher Feiertag. Aber sehr viele Firmen geben in der Zeit um die Obon-Festlichkeiten (Obon-Ferien) betrieblich frei. Damit sind die Obon-Ferien neben der Golden Week und der Neujahrsfeier eine der drei großen Ferien in Japan.

Obon 2021

Dieses Jahr (2021) sind die Obon-Ferien vom 13. – 16. August.

Matsuri

Sechs bekanntesten Matsuri um Bon-Tänze zu erleben:

Name
Name (Japanisch)
Wann?
Wo?
Website
Awa-Odori-Fest
阿波おどり
12. – 15. August
Tokushima, Tokushima, Shikoku
Sansa-Odori-Fest
盛岡さんさ踊り
1. – 4. August
Morioka, Iwate, Nordjapan
Gujo-Odori-Fest
郡上おどり
13. – 16. August
Gujō, Gifu, Zentraljapan
Yosakoi-Soran-Fest
ソーラン祭り
9. – 13. Juni
Sapporo, Hokkaido
Hanagasa-Fest
山形花笠まつり
5. – 7. August
Yamagata, Yamagata, Nordjapan
Einige bekannte Matsuri mit Bon-Tänzen

Es gibt bei diesen Matsuri in der Regel auch immer die Möglichkeit, selbst mitzumachen. Ich selbst war beispielsweise beim Sansa-Odori-Matsuri in Morioka und dort gab es nach der Parade, welche für die große Anzahl an Taiko-Trommlern sogar im Guinnessbuch der Rekorde steht, die Möglichkeit, beim Bon-Tanz mitzutanzen. Die Tänze bestehen in der Regel nur aus wenigen Schritten und sind schnell zu erlernen. Es gibt kaum eine bessere Möglichkeit, um in die japanische Kultur einzutauchen!

Hinweis für Reisende

Die Obon-Zeit wird von vielen Japanern genutzt, um zu ihren Heimatorten zu reisen. In Japan haben auch die Kinder ihre Schulferien im August, deswegen werden die freien Tage auch allgemein gerne genutzt, um im Inland zu verreisen. Deswegen sind viele Bahn- und Flugstrecken sowie Hotels ausgebucht. Wenn ihr in dieser Zeit nach Japan reist, solltet ihr deswegen rechtzeitig buchen. Wenn möglich, solltet ihr sogar versuchen, den Urlaub lieber nicht während der Obon-Ferien in Japan zu verbringen, da die Hotels etc. in der Zeit auch entsprechend teurer sind.

2021: Der Höhepunkt der Obon-Reisesaison wird wegen Corona wahrscheinlich weniger intensiv sein als sonst und zwischen dem 7. und 16. August stattfinden. Die verkehrsreichsten Tage werden voraussichtlich der 12. und 13. August sein mit Menschen, die die Städte verlassen, und am 15. und 16. August mit Menschen, die in die Städte zurückkehren.

Ursprung

Was wird gefeiert?

Beim Obon handelt es sich um ein Ahnengedenkfest, deswegen wird dieses auch häufig der Tag der Seelen genannt. Der Tag dient somit primär dem Gedenken der Ahnen. Die Seelen der Verstorbenen kehren am Obon aus dem Jenseits ins Haus der Familie zurück. Oft wird das Fest auch genutzt, um den Gräbern der Verstorbenen einen Besuch abzustatten. Man muss wie bei vielen anderen Festen in Japan, aber auch beim Obon die theologische Theorie und die gelebte Praxis unterscheiden. Viele Japaner verbinden mit den Obon-Ferien keinen religiösen Kontext mehr und nutzen die freien Tage einfach, um zu verreisen. Auch viele weitere Bräuche werden nicht mehr unbedingt flächendeckend gelebt. Der Besuch von öffentlichen Feuerwerken und der Besuch oder die Teilnahme an Matsuri mit Bon-Tänzen sind zwar verbreitet, aber häufig ohne religiösen Hintergrund, den sich viele Japaner gar nicht bewusst sind.

Seit wann wird Obon in Japan gefeiert?

Eine Darstellung des Obon in der späten Edo-Zeit
Eine Darstellung des Obon in der späten Edo-Zeit (Farbholzschnitt, 1867)

Das Obon ist eines der wichtigsten und auch ältesten Feste in Japan. Der Buddhismus wurde in Japan um das Jahr 538 eingeführt und es existiert eine Abschrift der buddhistischen Ullambana-Sutra aus dem Jahr 743, auf der das Fest basiert.
Die Einführung der „Lichtkomponente“ des Obon fand in Japan erst 1230 auf Anordnung Go-Horikawa-tennōs statt.
Die zum Obon praktizierten Matsuri mit den traditionellen Bon-Tänzen soll es seit etwa 500 Jahren geben.

Woher kommt Obon?

Beim Obon handelt es sich vermutlich um eine Mischung aus dem buddhistischen „Fest der hungrigen Geister„, welches sich aus der Ullambana-Sutra entwickelt hat und vorbuddhistischen Ahnenfeiern und Erntebräuchen. Bon ist die Abkür­zung für Urabon, ab­ge­lei­tet von Ullambana, was „herabhän­gen“ bedeu­tet. Bei dem „O“ von Obon handelt es sich um ein Höflichkeitspräfix.

Legende

Die buddhistische Tradition stammt aus der Geschichte von Maha Maudgalyayana (Mokuren), einem Schüler des Buddha, der seine übernatürlichen Kräfte nutzte, um seine verstorbene Mutter zu besuchen, nur um zu entdecken, dass sie in das „Reich der Hungrigen Geister“ (Hölle) gefallen war und litt. Sehr verstört ging er zum Buddha und fragte, wie er seine Mutter aus diesem Reich befreien könne. Buddha wies ihn an am fünfzehnten Tag des siebten Monats des Mondkalenders den buddhistischen Mönchen Opfergaben zu bringen. Mokuren tat dies und konnte so seine Mutter von den Leiden befreien. Der Schüler, glücklich über die Befreiung seiner Mutter, tanzte vor Freude. Aus diesem Freudentanz geht der Bon-Odori oder „Bon-Tanz“ hervor.

Traditionen und Bräuche

Bon-Odori und Matsuri

Um das Obon finden in Japan zahlreiche Matsuri (Festivals) mit sogenannten Bon-Tänzen statt. Die Matsuri und die aufgeführten Tänzen variieren dabei je nach Region. Die Tänzer werden dabei häufig von japanischen Taiko-Trommeln begleitet. In dieser Zeit ist es in Japan oft sehr heiß und die Tänzer und Tänzerinnen tragen leichte Baumwoll-Kimono (Yukata). Für die Tanzdarbietungen werden unter anderem Yagura-Bühnen aufgestellt, von denen aus Sänger und Musiker die Besucher zum Mittanzen im Schein der japanischen Laternen einladen. Das Beste an den Bon-Tänzen ist, dass in der Regel jeder mitmachen kann.

4K-Video vom Sansa-Matsuri in Morioka:

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Zum Obon finden in Japan zahlreiche Matsuri statt. Einige konnte ich selbst auch schon besuchen, unteranderem das oben im Video gezeigte Sansa-Odori-Matsuri in Morioka, der Präfekturhauptstadt der Präfektur Iwate.

Feuer, Lichter und Laternen

Ein Obon-Feuer in Kyoto
Das Kanji Dai – „大“ – Gozan-no-okuribi – (五山送り火), ugs. Daimonji no hi (大文字の火), Kyoto

Feuer spielen beim Obon eine wichtige Rolle. Sie sollen den Seelen den Weg ins Diesseits und nach dem Obon den Weg zurück ins Jenseits zeigen. Am ersten Tag des Festes gibt es den Brauch Papierlaternen (Chochin) vor die Häuser zu hängen um die Seelen der Ahnen zu begrüßen (Mukaebi, „Begrüßungslicht“). In einigen Regionen werden vor den Häusern auch größere Feuer entzündet um die Ahnen willkommen zu heißen. Feuer und Lichter spielen in dieser Zeit auch sonst eine große Rolle.

Viele Kinder entzünden kleine Feuerwerkskörper und in vielen Städten gibt es große öffentliche Feuerwerke. Ein weiterer Brauch ist auch das sogenannte Tōrō nagashi. Dabei werden am letzten Tag des Obon angezündete Papierlaternen und Opfergaben in kleinen Booten auf Flüssen ausgesetzt, um den Ahnen den Weg zurück ins Jenseits zu zeigen (Okuribi, „Verabschiedungslicht“). In Kyoto findet die wahrscheinlich spektakulärste Verabschiedung statt. Dort werden am letzten Tag des Obon (16. August) außerdem an fünf Berghängen riesige 200-Meter lange Schriftzeichen aus Lagerfeuern entzündet. Dieses Spektakel wird auch Daimonji Gozan Okuribi genannt. Das obige Bild zeigt eines dieser Schriftzeichen だい was „groß“ bedeutet. Auch eine der größten Feuerwerksdarbietungen Japans findet 13. August statt, und zwar in der Stadt Obihiro auf Hokkaido.

Gurken- und Auberginentiere

Gurken- und Auberginentiere zum Obon-Fest
Gurke – Shōryō-uma, Aubergine – Shōryō-ushi – Symbolische Reittiere ins Dies- und Jenseits

Zum Obon werden Gurkentiere und Auberginentiere gebastelt und den Ahnen am Hausaltar zusammen mit Speisen dargeboten. Die Gurkentiere stellen sogenannte „Seelenpferde“ und die Auberginentiere „Seelenkühe“ dar. Sie sollen den Geistern als Reittiere ins Dies- und Jenseits dienen. Das schnelle „Seelenpferd“ bringt die Seelen der Verwandten rasch ins Haus der Familie im Diesseits, und die langsame „Seelenkuh“ bringt die Seelen der Familienmitglieder gemächlich zurück ins Jenseits.

Fragen bitte!

Wenn du noch Fragen über das japanische Ahnenfest Obon hast, würde ich mich sehr über einen Kommentar freuen. Auch wenn du einen Verbesserungsvorschlag oder eine Anmerkung hast, freue ich mich natürlich über einen Kommentar.

Falls dir mein Beitrag „Obon – das japanische Fest der Seelen“ gefallen hat, dann ist vielleicht auch mein Beitrag „Tanabata – das japanische Fest der Sterne“ interessant für dich.

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