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Japan Kultur

Kendo – japanischer Schwertkampf [Guide]

In diesem Beitrag schreibe ich über die japanische Sportart und Kampfkunst Kendo. Kendo ist eine moderne Art des ursprünglichen japanischen Schwertkampfes bzw. der Schwertkunst (Kenjutsu), wie ihn die Samurai erlernten und lebten. Dabei ist Kendo (übersetzt: „Der Weg des Schwertes“) nicht nur ein reiner Schwertkampf, sondern es geht auch darum, Charakterfestigkeit, Entschlossenheit und moralische Stärke zu erlangen.

Meine Erfahrung mit Kendo

Das erste Mal bin ich 2012 während meines ersten Japanaufenthalts mit Kendo in Kontakt gekommen. Wie fleißige Leser meines Blogs wissen, habe ich 2012 an einem einmonatigen Sportaustausch zwischen einem Sportverein aus Hamburg und einem Sportverein aus Japan teilgenommen und währenddessen in einer japanischen Gastfamilie gelebt. Im Rahmen dieses Austauschs haben wir verschiede japanische Sportarten ausprobiert. Dabei haben wir auch die örtliche Mittelschule besucht und an einem Kendotraining teilgenommen. Die japanischen Schüler und sogar die Lehrer waren ganz begeistert uns ihren Sport zeigen zu können. Auch wir durften uns eine Rüstung und ein Bambusschwert leihen und am Training teilnehmen. Ich vermerkte diese Erfahrung zwar als positiv, aber kam noch nicht auf die Idee Kendo auch in Deutschland zu betreiben.

Im Jahr 2018, während meines Studiums in München, habe ich schließlich durch Zufall erfahren, dass es in München auch einen Kendoverein gibt, und habe mich direkt zum Anfängerkurs angemeldet. Dort haben wir gelernt, wie man sich richtig bewegt, wie man die Grundschläge ausführt und wie die ersten Formen der Kihon-Kata gehen. Ich hatte großen Spaß und bin auch danach beim Kendo geblieben. Jetzt habe ich den 5. Kyu, aber konnte durch mein Auslandssemester in Japan und jetzt durch Corona fast 1 Jahr kein Kendo mehr betreiben. Aber nach der Corona-Zeit werde ich auf jeden Fall mit Kendo weitermachen. In diesem Beitrag möchte ich kurz erklären, was Kendo ist, woher Kendo kommt, wie die Regeln sind, wie das Kendo in Deutschland organisiert ist und welche Vereine es gibt sowie einige Grundlagen und die Ausrüstung erklären. Am Ende gibt es außerdem noch ein paar interessante Videos.

Ich würde mich freuen, wenn dieser Beitrag bei jemanden das Interesse weckt, vielleicht selbst einmal beim Kendo reinzuschnuppern.

Kendo Allgemein

Was ist Kendo?

Kendo bedeutet „Weg des Schwertes“ und ist eine sportorientierte Variante des japanischen Schwertkampfes (Kenjutsu), wie ihn schon die Samurai im alten Japan betrieben haben. Heute findet natürlich kein Kampf auf Leben und Tod mehr statt. Stattdessen sind Kendoka (so nennt man die Sportler, die Kendo betreiben) durch eine Rüstung gut geschützt und kämpfen mit einem ungefährlichen Shinai (Bambusschwerter).

Der gesamtjapanische Kendodachverband (Zen Nippon Kendō Renmei (ZNKR)) formulierte 1975 den „tieferen“ Sinn des Kendo folgendermaßen:

“Die Idee des Kendō ist es, den menschlichen Charakter durch Anwendung der Prinzipien des Schwertes zu schulen. Die Übung des Kendō hat den Vorsatz, Geist und Körper zu formen, eine starke Seele zu entwickeln, durch korrektes und strenges Üben Fortschritt in der Kunst des Kendō anzustreben, Höflichkeit und Ehre des Menschen zu achten, mit anderen aufrichtig umzugehen und unaufhörlich die persönliche Weiterentwicklung zu verfolgen. So wird man fähig, sein Land und die Gesellschaft zu lieben, zur Entwicklung der Kultur beizutragen sowie Frieden und Wohlergehen unter allen Völkern zu fördern.”

Zen Nippon Kendō Renmei (ZNKR), 1975
Kendo in einem Dojo in Japan. Zwei Kämpfer in Rüstung mit Shinai.
Kampf in einem Kendo-Dojo in Japan

Die Regeln im Kendo

Bei einem Turnierkampf (Shiai) stehen sich zwei Gegner (Aite) auf einer quadratischen Fläche von 10×10 Metern gegenüber. Der Kampf wird dabei von drei Schiedsrichtern (Shimpan) überwacht. Der Kampf endet, sobald einer der Kämpfer zwei Punkte erzielt oder am Ende des Kampfes (nach 3 oder 5 Minuten) einen Punkt in Führung liegt. Bei Gleichstand gibt es ein Unentschieden (Hikiwake). Punkte können dabei durch einen korrekt ausgeführten Schlag auf den Kopf (Men), dem Rumpf (Do), den Unterarmen (Kote) oder einem Stich zur Kehle (Tsuki) erzielt werden. Bei einem Regelverstoß kann dem benachteiligten Kämpfer übrigens ein halber Punkt gutgeschrieben werden. Bei einer Verlängerung (Encho) in einem Finalkampf entscheidet schließlich der erste erzielte Punkt. Wie auch in anderen japanischen Kampfkünsten spielt der Respekt vor dem Gegner eine zentrale Rolle, sodass jeder Kampf mit einer Verbeugung anfängt und mit einer Verbeugung endet.

Die genauen Regeln findet ihr auf der Seite vom DkenB.

So kann beispielsweise ein Turnierkampf beim Kendo aussehen (Finale der Europameisterschaft Männer-Einzel). Die Kendoka haben jeweils ein weißes oder rotes Stück Stoff an ihrem Rücken befestigt. Wenn die Schiedsrichter die weiße Fahne hochhalten, heißt das, dass der „weiße“ Kendoka einen Punkt erzielt hat.

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Geschichte

Historisch wurden die Kampfkünste (Bujutsu) Kendo (Weg des Schwertes), Judo (Weg des Nachgebens), Kyudo (Weg des Bogens), Iaido (Weg des Schwertziehens), Naginatado (Weg der Naginata) und Ninja-Techniken (Ninjutsu) von den Samurai, den Mitgliedern des Kriegerstandes im vorindustriellen Japan, praktiziert um sich auf Kämpfe vorzubereiten.

Aber ab der Edo-Zeit (1603-1868) gab es für die Krieger wenige echte Kämpfe. Also fingen sie an ihre Kampfkünste in nicht tödlichen Arten zu praktizieren und aus den ursprünglich praktischen Techniken entwickelten sich Disziplinen die heute als Sport betrieben werden. Eine dieser Disziplinen war dabei auch die Schwertkunst (Kenjutsu). Mit der Meiji-Restauration (1868) ging die praktische Abschaffung des Kriegerstandes einher und auch andere Menschen anderer Stände begannen diese Kampfkünste zu praktizieren. Nach und nach wurde die Kampfkunst (Bujutsu) durch den Weg des Kampfes (Budo) ersetzt. Unter Einfluss des Buddhismus und des Konfuzianismus geht es im Kendo nicht nur um das Erlernen von Techniken, sondern auch um die spirituelle Entwicklung. In Deutschland wird die japanische Schwertkunst seit Mitte der 1960er-Jahre betrieben. Seit 1970 gibt es regelmäßig eine Weltmeisterschaft, die alle 3 Jahre ausgetragen wird und seit 1974 werden in Jahren in denen keine Weltmeisterschaften stattfinden regelmäßig Europameisterschaften ausgetragen.

Kendo in Deutschland

Organisation

Deutscher Kendobund

Der Deutsche Kendobund (DKenB) entstand aus der Sektion Kendo des Deutschen Judobundes, welche 1970 gegründet wurde. Die Sektion organisierte Länderturniere sowie auch Weltmeisterschafts- und Europameisterschaftsteilnahmen. 1981 wurde dann auch die Europameisterschaft, organisiert von der DJB-Sektion, in Berlin ausgetragen. 1994 wurde die Sektion dann aufgelöst und der Deutsche Kendobund entstand als Nachfolgeorganisation. Der Deutsche Kendobund gehört wiederum dem Dachverband Europäische Kendoföderation an.

Landesverbände

Die Kendovereine in Deutschland sind in 12 Landesverbänden organisiert. Hier aufgeführt sind die einzelnen Verbände und ihre Website falls verfügbar.

Kendovereine in Deutschland

Mit der Karte, die ich für euch bei Google Maps erstellt habe, könnt ihr den nächsten Kendoverein in eurer Nähe finden. Die meisten Kendovereine bieten übrigens auch Schnupperkurse an und es ist auch kein Problem als Erwachsener anzufangen, traut euch einfach! Aktuell gibt es meiner Recherche nach 121 Kendovereine in Deutschland, die in 12 Landesverbänden organisiert sind. Falls ich einen Kendoverein vergessen habe, könnt ihr mir gerne einen Kommentar dar lassen, dann werde ich ihn ergänzen.

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Ränge

Im deutschen Kendobund gibt es sechs Schülergrade (Kyu-Grade). Dabei ist der 6. Kyu-Grad der niedrigste Schülergrad und der 1. Kyu-Grad der höchste Schülergrad. Ich selbst habe den 5. Kyu-Grad. Außerdem gibt es theoretisch 10 Dan-Grade, von denen heutzutage aber nur der 8. Dan-Grad durch eine Prüfung erreicht werden kann. Aber in Deutschland gehören schon Kendoka ab dem 6. Dan zur Spitze. Die Schülergrade werden in Japan, wo es 10 Kyu-Grade gibt, hauptsächlich für Kinder verwendet, da dort in der Regel schon sehr früh mit dem Kendo begonnen wird. Anders als in anderen japanischen Kampfsportarten wie Karate oder Judo gibt es beim Kendo keine „Erkennungszeichen“, wie z.B. andersfarbige Gürtel, für die einzelnen Grade.

Welche Techniken und Fähigkeiten ihr für die einzelnen Kyu-Grade und Dan-Grade beherrschen müsst, erfahrt ihr in den folgenden Übersichten des Deutschen Kendobundes.
Prüfungsordnung Kyu-Grade
Prüfungsordnung Dan-Grade

Grundbegriffe

Wie auch bei anderen japanischen Kampfsportarten muss man während der Übungen laut mitzählen. Dabei wird immer bis 10 gezählt und dann wieder mit 1 begonnen.

Zählen

1.Ichi
2.Ni
3.San
4.Shi
5.Go
6.Roku
7.Shichi
8.Hachi
9.Kyu
10.Ju
Zählen auf Japanisch

Kommandos

Abgrüßen

SeiretsuIn einer Reihe aufstellen
SeizaKnie-/Sitzstellung einnehmen
MokusoAugen halb schließen, Aufmerksamkeit nach Innen richten
(Mokuso) yameEnde, Augen öffnen
ReiAbgrüßen, verbeugen
Abgrüßen auf Japanisch

Trefferflächen

MenKopf
KoteHand
DoRumpf
TsukiStich (gegen die Kehle)
Trefferflächen auf Japanisch

Training (Keiko)

HajimeAnfangen, beginnen, Beginn
YameAufhören, beenden, Ende
MotodachiÜbungspartner, der den Schlag empfängt
TaitoSchwert an die Hüfte
SonkyoHochstellung bei Übungsbeginn, Schwert ziehen
Osame(-to)Hochstellung bei Übungsende, Schwert westecken
KamaeKampfstellung (chudan -mittel, gedan – unten, jodan – oben)
MaaiAbstand
SemeBedrohen/ Bedrängen des Gegners vor dem Schlag
ki-ken-tai-ichiEinheit von Geist (Kiai), Schwert (Treffer) und Körper (Fumikomi)
KiaiKampfschrei (Men, Kote, Do, Tsuki)
Fumikomi (ashi)Stampfschritt
ZanshinWachsamkeit/ Kontrolle nach dem Schlag
Training auf Japanisch

Kata

Wie auch bei anderen japanischen Kampfsportarten, z.B. Karate, gibt es auch beim Kendo sogenannte Kata, also eine genau festgelegte Abfolge von Bewegungen – wie Angriffen, Verteidigungen und Gegenangriffen. Diese werden zusammen mit einem Partner (Aite) ohne Rüstung und mit einem Holzschwert (Bokuto) durchgeführt. Die Kata unterteilen sich in „Kihon Kata“ und „Nihon Kendo Kata„. Die „Kihon Kata“ besteht aus 9 Formen und die „Nihon Kendo Kata“ besteht aus 10 Formen (7 Langschwert- und 3 Kurzschwertformen). Für die einzelnen Prüfungen muss man je nach Prüfung einige der Formen vorführen.

Kihon Kata

Dieses Video zeigt sehr gut die einzelnen Formen der „Kihon Kata„. Ich habe dieses Video selbst zur Vorbereitung auf die 5. Kyu-Prüfung verwendet.

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Nihon Kendo Kata

Dieses Video zeigt die 10 Formen der Nihon Kendo Kata.

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Kendo Techniken

Schlagübungen (suburi)

JogeburiGroße, weit ausgeholte Schläge bis zur Kniehöhe
NanameburiSchräge, große Schläge
Sho-men (uchi)Gerader Menschlag
Sayu-men (uchi)Seitlicher Menschlag
Haya suburiSchnelle, gesprungene Schläge
KirikaeshiSchlagfolge aus Sho-Men und Sayu-men, vor und rückwärts
KatateEinhändig (linkshändig)
Schlagübungen auf Japanisch

Es gibt viele verschiedene Techniken, da ich selbst auch erst den 5. Kyu-Grad habe beherrsche ich die meisten Techniken selbst noch nicht. Daher möchte ich hier nur eine kleine Übersicht geben, welche Techniken es gibt.

Es gibt drei Arten von Techniken

  • Grundtechniken: Kihon-waza
  • Offensiv-Techniken: Shikake-waza
  • Konter-Techniken: Oji-waza

Grundtechniken (Kihon-waza)

Die drei Grundtechniken sind Men-uchi (Shomen-uchi) (Schlag auf den Kopf), Kote-uchi (Schlag auf den Unterarm), Do-uchi (seitlicher Schlag auf den Rumpfpanzer) und Tsuki (Stich zu Kehle).

Offensiv-Techniken (Shikake-waza)

Angriffstechniken haben zum Ziel einen Fehler oder unachtsamen Moment des Gegners auszunutzen. Diese unterteilen sich grob in Harai-waza (wegschlagen des gegnerischen Shinai nach oben oder unten), Debane-waza, ein Angriff, wenn man das Gefühl hat, dass der Gegner gleich einen Angriff starten wird, Hiki-waza, mit dem eigenen Shinai Druck auf das Shinai des Gegners ausüben, dann zurückgehen und Schlagen und Renzoku-waza, zwei (Ni-dan-waza) oder drei (San-dan-waza) aufeinanderfolgende Angriffe, z.B. Kote-Men.

Konter-Techniken (Oji-waza)

Man nutzt die Attacke des Gegners für einen sofortigen Gegenangriff. Diese unterteilen sich grob in Nuki-waza, bei denen man ausweicht und dann einen Gegenschlag ausführt sowie Kaeshi-waza und Sureage-waza bei denen man den Schlag des Gegners abwehrt und dann einen Gegenschlag ausführt. Außerdem gibt es noch Uchi-otoshi-waza, Abwehren des gegnerischen Schlages durch Schlag auf das gegnerische Shinai von oben gefolgt von einem Gegenangriff.

Ein Kampf beim Kendo von zwei Kendoka in einem Dojo in Japan.
Ausweichen und Gegenschlag

Kamae

Kamae ist die Grundhaltung, die man beim Kendo annimmt. Die grundlegendste Kamae-Form ist die Chudan no Kamae (Wasser) auch mittlere Stellung genannt. Es gibt aber auch die Jodan no Kamae (Feuer) auch obere Stellung genannt. Dabei handelt es sich um eine aggressive Grundhaltung, die vor allem zum Angriff geeignet ist. Die Gedan no Kamae (Erde), auch untere Stellung genannt, eignet sich vor allem zur Verteidigung. Es gibt auch noch weitere Kamae, aber fast alle benutzen die Chudan no Kamae, sonst habe ich bisher nur die Jodan no Kamae gesehen.

Falls ihr euch noch mehr für Kendotechniken und Grundkonzepte interessiert, findet ihr hier einen kurzen aber übersichtlichen Guide vom Kendoverein-München.

Eine gute Übersicht über die einzelnen Techniken gibt es auch bei Tekkeikan.

Kendoausrüstung

Die wichtigste Ausrüstung eines Kendoka sind das Shinai (Bambusschwert), das Bokuto (Holzschwert), die Kleidung (bestehend aus Oberteil, Keiko-gi und Hose, Hakama) und die Rüstung (Bogu), bestehend aus Men (Kopfschutz), Do (Rumpfschutz), Kote (Handschutz) und Tare.

Illustration der Kendo Ausrüstung bestehend aus Bokuto, Do, Men, Kote, tare und Shinai.
Kendoausrüstung

Das Shinai

Bambusschwert, Shinai, mit Beschriftung.
Aufbau eines Shinai (Bambusschwert)
Aufbau eines Shinai mit Beschriftung der einzelnen Bestandteile.
Aufbau eines Shinai am Beispiel eines echten Bambusschwertes

Das Shinai (Bambusschwert) ist ein runder Fechtstock, der vor ca. 250 Jahren entwickelt wurde. Er besteht aus 4 gleich langen Bambusleisten die von der Griffumhüllung (Tsuka), der Lederkappe (Sakigawa) und einem Lederband (Nakayui) sowie einer Nylonschnur (Tsuru) zusammengehalten werden. Die Hand wird durch ein Stichblatt (Tsuba) geschützt. Das Shinai ist ca. 115 cm lang und wiegt um die 500g. Das Shinai ist die Seele eines Samurai und Kendoka. Der richtige Umgang und die Pflege des Shinai zeugen auch vom Respekt vor anderen Leuten, da ein schlecht gepflegtes Shinai leicht zu Verletzungen des Gegenüber führen kann.

Das Bokuto

Zum Erlenen der Kata-Formen wird ein Bokuto (manchmal auch Bokken) (Holzschwert) verwendet. Dabei gibt es ein langes Holzschwert (Taito) und ein kurzes Holzschwert (Kodachi). Das Bokuto besteht in der Regel aus Spitzeiche, Weiß-Eiche, Mispel, Ebenholz, ostindisches Rosenholz oder einem anderen Material. Am besten eignet sich aber Eiche, da dieses sehr fest ist und deswegen nicht so leicht bricht, was sehr gefährlich sein kann.

Die Kleidung

Die Kleidung besteht aus einem Oberteil, dem Keiko-gi (oder auch Kendo-gi) und einer weiten Hose, die Hakama genannt wird. Normalerweise besteht das Keiko-gi aus Baumwolle und ist mit Indigoblau gefärbt. Baumwolle eignet sich sehr gut, da es den Schweiß aufsaugt, angenehm zu bewegen ist und zusätzlichen Schutz gegen Schläge, die daneben gehen, bietet. Die Indigoblau-Färbung verbessert die Wirkung gegen Schweiß und Bakterien. Leider muss das Keiko-gi deswegen aber mit der Hand gewaschen werden.

Die Rüstung (Bogu)

Illustration des Aufbaus einer Kendorüstung (Bogu) mit Beschriftung der einzelnen Bestandteile.
Aufbau einer Kendorüstung

Die Rüstung (Bogu) besteht im groben aus dem Kopfschutz (Men), dem Rumpfschutz (Do), dem Handschutz (Kote) und dem Tare. Man sagt, dass ein Nakanishi Chuzou, ein Ittou-ryu Meister, die Kendorüstung in der Mitte der Edo-Zeit, also vor ca. 250 Jahren, erfunden hat. Dabei wurde er von den damaligen Samurai-Helmen inspiriert. Seitdem ist die Kendorüstung nahezu unverändert geblieben. Die einzelnen Bestandteile der Rüstung (also Men, Do und Kote) sind gleichzeitig auch die Trefferzonen. Zusätzlich gibt es noch den Stich zur Kehle (Tsuki).

Men

Der Men (Kopfschutz) besteht im groben aus dem eigentlichen Kopfschutz mit einem Gitter (Mengane), den Men-Lätzen (Menbuton) seitlich am Men und einem Schutz für die Kehle, die Trefferfläche für Tsuki. Unter dem Men wird außerdem ein Tenugui, ein Kopftuch, getragen, damit einem der Schweiß nicht in die Augen läuft.

Tare

Das Tare besteht aus einem Band (Wakihimo), einem Gürtel (Haraobi), sowie 2 kleine Latze (Kodare) und 3 große Latze (Oodare). Über den mittleren großen Latz wird außerdem das Nafuda gezogen. Das ist ein Namensschild, auf dem der Name sowie der Kendoverein vermerkt ist.

Do

Das Do (Rumpfschutz) besteht aus vielen Bestandteilen. Es ist eine Panzerplatte, welche die Brust und den Bauch schützt. An dem Do befinden sich außerdem insgesamt 6 Schlaufen durch die Bänder (Himo) gezogen werden, um das Do zu befestigen.

Wie teuer ist Kendo?

Wie ihr gelesen habt, ist für Kendo einiges an Ausrüstung nötig. Bestimmt denkt ihr jetzt, dass die Sportart sehr teuer ist. Diese Annahme ist auch nicht ganz falsch, aber ihr müsst euch nicht sofort die ganze Ausrüstung zulegen. In der Regel startet man mit einem Schnupperkurs oder einem Probetraining, den es eigentlich in fast jedem Verein gibt. Dort wird dann meistens lediglich ein Shinai benötigt und das Training wird in normalen Sportkleidern absolviert. Gegen Ende des Schnupperkurses wird dann meistens der Hakama und das Keiko-gi gekauft. Dann dauert es noch mal ca. mindestens ein halbes Jahr bis euch vom Trainer gesagt wird, dass ihr euch die Rüstung bestellen könnt. Also habt ihr genug Zeit euch zu überlegen, ob ihr den Sport langfristig betreiben wollt, bevor ihr die größte Anschaffung tätigt.

Einmalige Kosten

Shinai~ 59,00 €
Bokuto~ 25,00 €
Hakama und Keiko-gi~ 80,00 €
Rüstung~ 600,00 €
Nafuda~ 40,00 €
Kendopass25,00 €
Pro Kyu-Prüfung10,00 €
Aufnahmegebühr beim Verein20,00 €*
Summe859,00 €
Einmalige Kosten die beim Kendo anfallen

Laufende Kosten im Jahr

Jahresbeitrag (Sichtmarke) DKenB40,00 €**
Vereinsbeitrag96,00 €*
Summe138,00 €
Laufende Kosten die beim Kendo anfallen

*Dieser Beitrag variiert von Verein zu Verein. Ich habe dabei den Beitrag für den Kendoverein München genommen. Für Schüler und Studenten gibt es übrigens oft einen ermäßigten Beitrag.

**Die Kosten für die Sichtmarke variieren je nach Landesverband. 40 € fallen beispielsweise im Landesverband Bayern an.

Videos

Bester Youtube-Kanal

Meiner Meinung nach ist „The Kendo Show“ der beste YouTube-Kanal, der sich mit Kendo beschäftigt. Dieser ist zwar auf Englisch, aber bietet sehr nützliche Infos und Tipps.

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Kendoka vs. Naginataka

Es gibt übrigens auch Turniere, bei denen Kendoka gegen Naginataka antreten. Finde ich sehr interessant.

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8. Dan Nihon Kendo Kata

Vorführung der Nihon Kendo Kata mit echten Schwertern von zwei Meistern mit dem 8. Dan.

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Fragen bitte!

Wenn euch wichtige Infos fehlen, dann würde ich mich sehr über einen Kommentar freuen. Auch wenn ihr einen Fehler gefunden habt, freue ich mich natürlich über einen Kommentar. Ich habe alles nach bestem Gewissen recherchiert aber Fehler können natürlich immer passieren.

Nützliche Links

Wenn du dich für die japanische Kultur interessierst, dann ist vielleicht auch mein Beitrag 10 Traditionen zu Neujahr in Japan interessant für dich.

Zuletzt aktualisiert am

2 Antworten auf „Kendo – japanischer Schwertkampf [Guide]“

Natürlich dürfen auch Frauen beim Kendo mitmachen. Aber wie bei den meisten Kampfsportarten ist Kendo bei Männern etwas beliebter. Meinen Recherchen nach sind ca. 1/4 der Kendoka Frauen. Aber die Anzahl variiert natürlich von Dojo zu Dojo.

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