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Japan und die Atomenergie

In Deutschland ist der Ausstieg aus der Atomenergie schon beschlossene Sache. Auslöser: die Atomkatastrophe von Fukushima. Doch welche Auswirkung hatte dieses Ereignis auf Japan, den Schauplatz dieser Katastrophe? Das erfahrt ihr in diesem Beitrag zu Japan und der Atomenergie.

Japans Probleme mit der Energieerzeugung

Im Vergleich zu anderen Ländern kann Japan nur einen kleinen Teil seiner benötigten Energie aus eigenen Ressourcen decken. Japan war 2017 für 90,6% der Energieversorgung auf Importe angewiesen. Um weniger abhängig von anderen Ländern zu sein setzte Japan auf die Atomkraft. Aber durch die Abschaltung der Atomkraftwerke nach der Atomkatastrophe von Fukushima hat sich die Abhängigkeit wieder erhöht. Vor der Katastrophe konnte Japan dank der Atomkraft 20,3% des Energiebedarfs aus eigenen Ressourcen decken. Aber mittlerweile steigt, wegen dem Ausbau erneuerbarer Energien, die Unabhängigkeit Japans von Importen wieder.

Das folgende Diagramm zeigt die Auslastung der japanischen Kernreaktoren. Nach der Katastrophe 2011 wurden diese nach und nach abgeschaltet. Aber seit 2015 hat Japan immer mehr Reaktoren wieder ans Netz genommen.

Quelle: Federation of Electric Power Companies of Japan „Infobase 2019“ S. 48

Anteil der Atomenergie in Japan Vergleich 2010 und 2017

Die folgenden Diagramme zeigen den Strommix in Japan. 2010 deckte Japan noch 25% seines Strombedarfs mit Kernenergie, heute sind es nur noch ca. 3%.

Quelle: Agency for Natural Resources and Energy „Japan’s Energy 2019“ S. 3

Atomenergie in Japan aktuell

Laut der japanischen Regierung braucht Japan die Atomenergie aus 3 Gründen:
1. zur Sicherung einer stabilen Stromversorgung,
2. zur Senkung der Stromkosten,
3. und zur Reduzierung der Treibhausgasemission.

In Japan gibt es 60 Atomreaktoren, davon sind 8* in Betrieb, 6 zur Inbetriebnahme zugelassen, 12 werden auf Zulassung geprüft, 9 haben keine Zulassung beantragt und 25* wurden stillgelegt.


*Update: Das Wiederhochfahren des Reaktor vom AKW Ikata auf Shikoku wurde gerichtlich untersagt, da laut Gericht die vulkanische Aktivität in der Region nicht hinreichend berücksichtigt wurde, der Reaktor kann damit vorerst als stillgelegt betrahtet werden [Quelle]. Die oben genannten Zahlen sind dahingehend angepasst.

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Quelle: Agency for Natural Resources and Energy „Japan’s Energy 2019“ S. 17

Zukunft der Atomenergie in Japan

Nach dem Unfall in Fukushima am Atomreaktor „TEPCO Fukushima Daiichi“ wurden alle Atomkraftwerke vom Netz genommen. Nachdem die „Nuclear Regulation Authority“ neue Sicherheitsbestimmungen erlassen hatte, entschied die japanische Regierung, dass alle Reaktoren, die diese Sicherheitsbestimmungen einhalten, wieder in Betrieb genommen werden dürfen. Die japanische Regierung lies die Reaktoren, die den Unfall verursachten, sowie alle Reaktoren die länger als 40 Jahre in Betrieb waren dauerhaft vom Netz nehmen. Der Problemreaktor von Fukushima war über 30 Jahre alt. Japan plant auch in Zukunft teilweise auf Atomenergie zu setzen. Die japanische Regierung hat 2015 bekannt gegeben im Jahr 2030 22% seines Energiebedarfs mit Atomenergie decken zu wollen. Aber die Zukunft der Atomenergie wird auch von den lokalen Regierungen mitbestimmt. So hat die Präfektur Fukushima z.B. beschlossen den Reaktor „Fukushima Daini“ stillzulegen.

Die japanische Regierung schätzt, dass Atomenergie im Jahr 2030 22% des Energiebedarfs decken wird.

Quelle: Agency for Natural Resources and Energy „Japan’s Energy 2019“ S. 9

Vergleich Japan – Deutschland

Zwar ist der Atomausstieg in Deutschland beschlossene Sache, aber zurzeit deckt Deutschland noch einen höheren Anteil seines Strombedarfs aus Atomenergie als Japan. In Deutschland kamen 2018 71.9 Terawattstunden aus Atomkraftwerken, in Japan nur 49.3 Terawattstunden. Die Strompreise in Japan sind deutlich günstiger. Während 2019 in Japan für 1 Kilowattstunde durchschnittlich 0,27 Cent anfielen, waren es in Deutschland 0,34 Cent pro Kilowattstunde. Während in Deutschland 2022 das letzte Atomkraftwerk vom Netz gehen wird, wird Japan auch in Zukunft auf Atomkraft als Grundlaststromquelle setzen.

Die folgenden Diagramme zeigen den Strommix von Japan und Deutschland im Jahr 2017. Deutschland deckt ca. 12% seines Energiebedarfs mit Atomstrom. In Japan sind es derzeit nur 3,1%. Aber in Japan wird der Anteil in Zukunft steigen und in Deutschland sinken.

Quelle: Agency for Natural Resources and Energy „Japan’s Energy 2019“ S. 13

Atommüll in Japan

Japan versucht möglichst viel von seinem Atommüll zu recyceln. Dazu wird Abfall, der bei Atomkraftwerken anfällt in eine Anlage zur Wiederaufbereitung gebracht. Dort wird aus dem Atommüll wiederaufbereitetes Uran- und Plutioniumpulver. Außerdem bleibt Atommüll der ca. 1/4 der Ursprungsmasse ausmacht. Das Uran- und Plutioniumpulver kommt in eine Kraftstoffaufbereitungsanlage wo daraus sogenannter MOX-Brennstoff wird, der in Leichtwasserreaktoren verwendet werden kann.

Die Aufbereitung hat 3 Vorteile:

  1. weniger radioaktiver Abfall,
  2. die Verkürzung der Halbwertszeit des Atommülls,
  3. sowie die Schonung der Ressourcen.

Der nach der Aufbereitung übrig gebliebene flüssige Atommüll wird mit Glas verschmolzen. Dieser Vorgang wird Verglasung genannt. Dann kommt der verglaste Abfall in einen Behälter aus Metall. Der Behälter ist wiederum von einer Schicht aus Lehm umgeben. Dieser wird dann in eine Deponie untergebracht die mindestens 300 Meter unter der Erde liegen muss. Aber auch hier gibt es wieder viele Probleme. Die Deponie darf nämlich nicht zu nah an einem Vulkan gebaut werden. Auch die Küstenregionen und Regionen mit natürlichen Ressourcen wie Silber sind tabu. Bisher gibt es in Japan noch kein Endlager. In Japan gibt es derzeit 17000 Tonnen Atommüll (2015).

Fragen bitte!

Wenn euch wichtige Infos über die Atomenergie in Japan fehlen würde ich mich sehr über einen Kommentar freuen. Auch wenn ihr einen Fehler gefunden habt, freue ich mich natürlich über einen Kommentar. Ich habe alles nach bestem Gewissen recherchiert aber Fehler können natürlich immer passieren.

Wenn du dich für die japanische Wirtschaft interessiert ist vielleicht auch mein Artikel Der Mindestlohn in Japan interessant für dich.

2 Antworten auf „Japan und die Atomenergie“

Ich finde, das ist ein sehr interessanter Bericht! Hast Du schon mal ausgerechnet, was es umwelttechnisch bringt, den Atommüll zu recyceln?

Hallo Monika,

was genau meinst du mit umwelttechnisch „ausgerechnet“? Durch das Recycling wird die Menge an Atommüll auf 1/4 reduziert. Außerdem verringert sich die Zeit bis der Atommüll die gleiche Strahlung wie Uran im Ursprungszustand abgibt von 100.000 Jahre auf 8.000 Jahre.

Grüße Tim

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