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10 Traditionen zu Neujahr in Japan

Neujahr ist eines der wichtigsten Feste in Japan. Am 31.12 wird es, seit der Übernahme des westlichen (gregorianischen) Kalenders, zwar erst seit 1873 gefeiert. Aber schon vorher war Neujahr eines der wichtigste Feste und wurde anhand eines Lunisolarkalenders bestimmt. Dabei haben sich viele verschiedene Traditionen entwickelt, von denen manche auch von Region zu Region abweichen, aber viele sind auch landesweit verbreitet. Zwar ist nur der 1. Januar (Gantan (元旦)) ein nationaler Feiertag aber das Neujahrsfest erstreckt sich in der Regel vom 31. Dezember bis mind. zum 3. Januar.

1. Oosouji (大掃除)

In Japan ist bevor das Neujahrsfest beginnt erst einmal Groß­rei­ne­ma­chen angesagt. Früher wurde dieser „Frühjahrsputz“ auch Susuharai (煤払い) genannt. Traditionell wird das Haus geputzt um die Neujahrsgötter an Neujahr nicht in eine verschmutzte Wohnung zu lassen. Aber die meisten putzen ihre Wohnung mittlerweile wahrscheinlich eher um sich von den Altlasten des letzten Jahres zu befreien und frisch ins neue Jahr zu starten.

2. Shimenawa ( 注連縄 ) und Kadomatsu (門松)

Sobald sich das Neujahrsfest nähert findet man überall an den Türen Shimenawa und vor vielen Türen, besonders auch vor Einkaufszentren, Kadomatsu. Bei Shimenawa handelt es sich um ein heiliges Tau aus Reisstroh und bei Kadomatsu um ein Gesteck aus Kieferzweigen und Bambusrohren.

3. Hatsumoude (初詣)

Sobald es ins neue Jahr geschafft ist, begeben sich fast alle Japaner zum ersten Schreinbesuch des Jahres. Viele besuchen dabei direkt nach 0 Uhr den am nächstgelegenen Schrein, aber auch der Schreinbesuch vom 1-3 Januar ist kein Problem. Die kleineren lokalen Schreine sind dabei nicht so überfüllt, aber für ein Schreinbesuch der größeren Schreine, wie z.B. den Meiji-Jingu muss man teilweise stundenlang anstehen.

Bei dem Schrein wird dann für das neue Jahr gebetet, man kann seine Wünsche auch auf ein „Ema“ also eines der Holzbrettchen unten im Bild schreiben. Viele kaufen sich zu diesem Anlass auch ein Omamori. Das sind kleine Säckchen mit „God Power“ wie es mir bei meinem ersten Japanaustausch erklärt wurde 😂.
Omamori sind im Prinzip Schutzamulette. Es gibt unter Anderem Amulette für Gesundheit („無病息災 mu byou soku sai“), Verkehrssicherheit („交通安全 kou tsuu an zen“), Haushaltsicherheit („家内安全 ka nai an zen“), Geschäftlichem Erfolg („商売繫盛 shou bai han jou“) und eine sichere Geburt („安産 an zan“). 

4. Osechi-ryouri ( 御節料理 )

An Neujahr wird oft ein teures Festmahl kredenzt. Dieses Osechi-ryouri, kurz Osechi, besteht oft aus dutzenden Einzelgerichten, dabei können diese Boxen fertig gekauft werden oder alle Gerichte werden selbst zubereitet.

5. Toshikoshisoba (年越し蕎麦)

Eine weitere japanische Neujahrstradition ist am Abend vor dem 1. Januar Sobanudeln zu essen, oft auch mit Tempura.

6. Otoshidama (お年玉)

In Japan erhalten Kinder und Jugendliche zum neuen Jahr von erwachsenen Verwandten ein Geldgeschenk. Laut einer aktuellen Umfrage für das Jahr 2020 betrug der Durchschnitt dieses Geldgeschenks (pro Erwachsenen) 4,470 Yen (ca. 36 Euro) und der Median 3,000 Yen (ca. 24 Euro). Dabei steigt die Summe je nach alter so, dass 40% aller Studenten und Oberstufenschüler über 10,000 Yen (ca. 81 Euro) bekommen. Interessant war außerdem, dass sich der Betrag seit 1940 versechsfacht hat und stetig steigt. Aber man kann diese Steigerung natürlich auch als impliziten Inflationsausgleich sehen. Laut der Umfrage scheint diese Tradition aber, vor allem für Familien mit einem geringen Haushaltseinkommen, zunehmend eine wirtschaftliche Belastung darzustellen.¹

7. Nengajou (年賀状)

In Japan werden zu Neujahr traditionell auch Neujahresgrußgarten (Nengajou) verschickt. Dabei müssen diese Karten nicht nur an Freunde und Verwandte, sondern auch an Kollegen und Geschäftspartner verschickt werden. So musste z.B. der Vater meiner Freundin über 100 dieser Neujahresgrußkarten verschicken. Aber die Zahl dieser Neujahreskarten ist seit 15 Jahren Rückläufig und hatte ihren Höhepunkt im Jahr 2003. Immer mehr Japaner begnügen sich mit einer Neujahresgrüße über das Smartphone.²

Frohes Neues Jahr heißt auf Japanisch übrigens „akemashite omedetou“, oft auch begleitet von einem „kotoshi mo yoroshiku onegaishimasu.“ so, dass viele auf dem Handy auch verkürzt „akeomekotoyoro“ oder nur „akeome“ schreiben.

8. Zōni (雑煮)

Bei Zōni handelt es sich um eine klare Suppe mit Mochi (Reiskuchen) und oft noch Gemüse und Fleisch oder Fisch. Dieses Gericht wird oft am 1. Januar verzehrt.

9. Sakura-yu (桜湯)

Ein weiteres beliebtes Gericht zu Neujahr in Japan, bzw. in diesem Fall Getränk, ist Sakura-yu. Dabei handelt es sich um einen Tee mit in Salz eingelegten Kirschblüten. Dieser soll sehr gesund sein. Schmecken tut er eigentlich nur nach Salz.

10. Fukubukuro (福袋)

Fukubukuros sind im Prinzip Wundertüten. Diese werden an Neujahr in Japan von fast allen Geschäften verkauft und enthalten dabei oft Waren in einem Wert der über dem Verkaufswert der Wundertüte liegen und dienen z.B. für Kleidungsgeschäfte dazu unbeliebte Kleidungsstücke loszuwerden. Ich habe unten z.B. die (?) Fukubukuro von Mr. Donut fotografiert. Diese hat ca. 20 Euro gekostet und enthielt allein einen Gutschein, für den man sich 20 Donuts bis zu einem Preis von ca. 1,5 Euro holen kann. Zusätzlich sind wie zu sehen noch coole Pokémonartikel im Mr. Donut Look dabei gewesen. Für die beliebtesten Fukubukuros muss man teilweise stundenlang anstehen und einige Leute stellen sich schon am Tag zuvor an. Unten findet ihr ein Bild für die Schlange für die „Pikapika“-Fukubukuro vom Pokémon Center in Yokohama von vor zwei Jahren. Dieses Jahr gab es den PikaPika-Fukubukuro übrigens nur noch über Vorbestellung.

Nützliche Links

Wenn ihr euch auch für Weihnachten in Japan interessiert findet ihr hier meinen Blogartikel dazu: Weihnachten in Japan

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Weihnachten in Japan

Obwohl die meisten Japaner, wenn man sie fragt, antworten würde, dass sie keiner Religion angehören, praktizieren fasst alle Japaner religiöse Praktiken, wie den Schreinbesuch zu Neujahr oder die buddhistische Beerdigung. Christen gibt es in Japan um die 2%. Aber dennoch ist das ursprünglich christliche Fest Weihnachten mittlerweile fest in der japanischen Gesellschaft verankert. In diesem Artikel möchte ich über diese Besonderheiten des japanischen Weihnachten schreiben.

Illuminationen

In Japan wird die Vorweihnachtszeit durch zahlreiche Illuminationen, welche die Straßen in bunte Lichter tauchen, eingeläutet. Ich selbst habe eigentlich fast alle größeren Illuminationen in Tokio besucht und war sehr begeistert. Was mich besonders beeindruckt ist die große Variation an Illuminationen, es hängt nicht nur jeder eine andere Lichterkette in einen anderen Baum, sondern die Illuminationen haben meistens ein Thema und versuchen sich von den anderen Illuminationen abzuheben. Ich würde mich freuen, wenn Deutschland sich dahingehend etwas von Japan abschauen könnte. Im japanischen Fernsehen wurde die Illumination „Ao no Dokutsu“ also „Blaue Höhle“ im Yoyogi-Park zur besten kostenlosen Illumination in Tokio gewählt.

Für japanische Paare sind Illuminationen in der Vorweihnachtszeit und an Heilig Abend übrigens beliebte Ausflugsziele für ein Date.

Mein Beitrag zur Illumination am Caretta Shiodome

Mein Beitrag zur Illumination an der Tokioer Pferderennbahn

Weihnachtsmärkte

In Japan gibt es außerdem viele „deutsche“ Weihnachtsmärkte. Dort fühlt man sich dann, bis auf die Preise, auch fast wie in Deutschland. Man kann Glühwein trinken und Thüringer Bratwurst oder Heiße Maronen essen. Beim Weihnachtsmarkt im Roppongi Hills, gab es sogar ein Käthe Wohlfahrt Geschäft. Dabei gibt es die Weihnachtsmärkte eigentlich in jeder größeren Stadt, bzw. in Tokio auch mehrere. Ich kann den Besuch jedem empfehlen der über die Feiertage in Japan ist.

Christmas Cake

In Japan ist es zur Tradition geworden an Weihnachten einen Christmas Cake, einen Weihnachtskuchen, zu essen. Dabei muss man sich die Kuchen oft schon weit vorher vorbestellen. Der beliebteste Kuchen ist ein Strawberry Short Cake, aber es gibt mittlerweile auch viele andere Weihnachtskuchen. Dabei lassen sich die Japaner den Weihnachtskuchen auch einiges kosten, der Erdbeer-Weihnachtskuchen im Bild weiter unten hat ca. 40€ gekostet.

KFC

KFC (Kentucky Fried Chicken) hat es geschafft sich als festes Weihnachtsessen in Japan zu etablieren, auch hier muss man früh vorbestellen um an Weihnachten nicht leer auszugehen.

Weihnachtsessen

Es gibt aber auch viele Familien, die nicht zu KFC gehen, sondern ähnlich wie in Deutschland ein Festessen veranstalten. Bei der Familie meiner Freundin gab es Hähnchenkeulen, Spare Ribs und Quiche. Die Hähnchenkeulen hat übrigens der Bruder meiner Freundin gemacht, er hatte bei der obengenannten Illumination im Yoyogi Park auch einen eigenen Foodtruck wo er sie verkauft hat.

Weihnachtsessen in Japan